Ninja und die Obrigkeit

Ich würde mich ja prinzipiell nicht als sonderlich politisch, rebellisch oder anarchistisch bezeichnen. ACAB zum Beispiel bedeutet in meinem persönlichen Sprachgebrauch nicht mehr als Acht Cola, Acht Bier.

Dennoch. In jedem Gespräch, Disput oder Auseinandersetzung mit Staatsdienern – vielleicht reicht auch nur der Anblick einer Uniform als Ausdruck der absoluten Gleichschaltung – konnte ich jedes Mal ein Phänomen beobachten.
Es spielt sich in meinem Körper mit einem unfassbaren Tempo ab. Sämtliche anarchistisch, rebellisch oder antikapitalistisch veranlagten Zellen (die frechen, vorlauten sowieso) schließen sich in Rekordzeit zusammen, singen die Internationale und übernehmen das Kommando über mein Sprachzentrum.
Manchmal, wenn man genau hinhört, kann man ein: „Mikroorganismen dieses Körpers vereinigt euch!“, vernehmen.

In diesen Situationen sehe ich mich stets vor einer großen Herausforderung. Mein faules angepasstes Ich muss dann doch mal seinen Allerwertesten erheben, um die Revolution ein wenig einzudämmen.

Man will ja dann doch keinen Ärger provozieren.

Aber eigentlich schon.

Naja, ist doch nur unnötiger Stress.

Ja, aber denen muss man schon mal die Stirn bieten.

Mach halt einfach, was die sagen und gut is.

Paah, ich lass mich doch nicht von so dahergelaufenen grünen Männchen schikanieren…

Got it?

Zur weiteren Verdeutlichung meines Dilemmas. 3 Beispiele.

Des Dramas erster Teil:

Im Auto. Firmenauto mit großem Branding. Zwei Praktikanten unterwegs, um eine Kleiderspende zur Caritas zu bringen. Beide Anfang zwanzig. Er mit Bart. Beide mit Mütze. Nicht, dass das irgendjemand interessieren würde.

Polizei hält sie auf. Fahrer muss aussteigen und Fragespielchen mit anschließendem Drogen-Pipi-Test über sich ergehen lassen.
Die Beifahrerin (also ich, für die langsamen) darf smalltalken.

Polizist: „Hallo“
Ninja: “Hallo”
Anarscho-Zellen im Hinterkopf: “Laber mich bloß nicht voll”

 

Tiefer Blick in die Augen.

P:        „Ah, auch Kontaktlinsen, hm.“

N:        „Schon…Haben sie uns jetzt auch nur aufgehalten, weil wir Mützen aufhaben?“
A:        „Schon…Haben sie uns jetzt auch nur aufgehalten, weil wir Mützen aufhaben?
           Vorurteilsbeladenes Arschloch“

Das Gespräch plätschert so vor sich hin.

P:         „Also, Sie machen da auch Praktikum“
N:        „Ja, genau“
A:        „Das geht dich nen Scheißdreck an, du autoritätsgeiler Vollpfosten“

P:        „Aha, Sport studieren Sie. Was macht man dann damit?“
N:        „Hm, ja. Schau ma mal.“
A:        „Alter, ich steig gleich aus und fahr dir über deinen kurzgeschorenen Idioten-Bullen-Schädel.

P:        „Na, irgendwann Geld verdienen wär aber auch ganz gut“
N:        „Guter Mann, ich habe mich die letzten 4 Jahre gut selbst versorgt. Ich bin durchaus in der Lage mein eigenes                   Geld zu verdienen. Danke, schönen Tag noch.“
A:        „So. Du kleiner Mist-Streifen-Bulle willst mir was von Geld verdienen erzählen? Erstens hat dich des einen                     Dreck zu interessieren und zweitens juckt mich deine Meinung nicht. Du beschissenes Zahnrädchen der                              Gesellschaft stehst hier,  schikanierst meinen Kollegen und laberst mich voll. Ich kann gar nicht so viel fressen               wie ich dir ins Gesicht kotzen möchte.“

 

Des Dramas zweiter Teil:

Zuhause. Mittwoch Abend. Dicke Party. 80 Gäste zirka. Ich kenn beim besten Willen nicht alle. Schon laut. Lustig aber auch. Irgendwer sagt was von Polizei. Musik geht aus. Tür steht offen. Im Hausflur zwei junge Typen in grünen Pullis. Ich drinnen.

N: „Woaaah, hey servus!! Wer seid ihr denn so?“

N: „Hahaha. Oh. Ich weiß, wer ihr seid!“

P: „Wir wurden bereits mehrfach angerufen, weil es hier anscheinend unglaublich laut ist“
N: „Puh, äh ja kann schon sein.“

Oh jetzt kommen schon wieder die Anarcho-Zellen ins Spiel:

„Wie bitte? Is so laut hier, ich kann Sie so schlecht verstehen…
Oida, Das ist eine Party und die Wohnung platzt aus allen Nähten, natürlich ist es hier laut!“

P: „Bei unserem letzten Einsatz wegen Ruhestörung gab es eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro.“

Ich dreh mich um, zähle und rechne ein bisschen an meinen Fingern rum. Die Anarcho-Zellen und Ich sind sich ausnahmsweise mal einig:

N: „Öh, ja gut. Krieg ma zam glaub ich“

So richtig lustig fanden die Jungs mich nicht.

P: „In 15 Minuten ist das hier aufgelöst“

N: „Hui, okay ich schau was ich machen kann“
A: „…Jaaaaa. Geeeenaaauuuu!“

Des Dramas vorerst letzter Teil:

Tübingen. Samstag Abend. Spaß mit netten Menschen. Auf der Straße. Ich demonstriere meine meisterlichen Bier-Öffnungs-Künste. Gangster-Street-Life. Diesmal nicht die Polizei. Viel besser.
Das Ordnungsamt.

Trotzdem ein P für die Fragetseller. Die zwei Herren waren liebreizende Politessen.
Im Folgenden erkennt man, dass es nicht immer eine Auseinandersetzung mit den Anarcho-Zellen ist. In einigen Fällen entsteht ein friedliches Nebeneinander. In gewissen Fällen auch ein Miteinander bis hin zu einer untrennbaren Symbiose.

P:       „Wer hat hier das Bier aufgemacht?“
N (sich noch nicht bewusst, wer da fragt):
„Yeah, hier ich wars. Cool gemacht, oder?“

A:     „Düdeldüü, dididididi. Parteeey“

P:     „Wo sind die Kronkorken. Heben Sie die auf“
N:     „?! Öh, ja klar. Sorry?“
A:     „Hui, sind die weeiiit geflogen“

P:     „Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Strafzettel kostet 15 Euro“

N :   „Aha. Hm, das wär dann aber ein teures Bier“
A:     „Was kostet die Welt? Lalalalala!“

P:    „Ja, und jetzt bitte Ihren Ausweis“
N:    „Achso. Ich krieg jetzt echt nen Strafzettel“
A:    „Hahahahahahahaha! Mein erster Strafzettel. Wihuu“

Während der Beamte meinen Ausweis begutachtet
– Oh, Ausländer. Also kein Schwabe. –
lache ich mir herzhaft die Seele aus dem Leib.

N:    „Aber meine Herren. Ich muss ja sagen, es beruhigt mich ungemein, dass Sie nichts schlimmeres zu tun haben hier“
A:    „AHAHAHAHAHA.  HAHAHAHAHA.“
P:    „Naja, es gibt auch andere Einsätze“
N:    „Ich verstehe. Manchmal sinds auch Kaugummipapiere, statt Kronkorken“

A:    „HAHAHAHAHA. LECK. ICH KRIEG KEINE LUFT MEHR!“
P:    „Frau VogEl (ich höre genau, dass er da ein E hingesprochen hat, wo keines hingehört“), Sie bekommet dann Poschd von uns.“
N:    „Alles klar! Viel Spaß noch“
A:     „POSCHD. Er hat POSCHD gesagt. Hihihihihihi!“

Die Moral von der Geschichte:

Gut, dass ich nicht vor lachen meinen Kaugummi ausgespuckt hab. Der hätte auch noch mal nen Zwanni gekostet

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