Ich glaub’ ich bin Rassist

Vormittag im Münchner Westen. Ich sitze leicht übermüdet in der Trambahn. Häuserreihen eiern vorbei. Ich starre, schiele in die Luft. Verschiedene Leute in der Bahn. Zwei Menschen, die mir auffallen. Mann und Frau, dick eingepackt und voll bepackt mit diesen großen Kaufland-Plastik- Knister-Taschen voller Decken. Die optische Einteilung ist längst abgeschlossen. Osteueropa. Gypsy-Background? Bettlerbande? Die traurigen, müden Gesichtsausdrücke würden passen.

Alles schön und gut. Bin ja tolerant. Haben die ʼnen Fahrschein? Ich nicht, aber das ist nicht das Problem. Mir steigt in unregelmäßigen Abständen ein stechender, saurer Geruch in die Nase. Es brennt so richtig, lässt sich weder zuordnen noch orten. Die anderen Leute rümpfen auch die Nase. Ich lasse mir nichts anmerken, weiß ja nicht woʼs herkommt. Aber mei, vielleicht haben sich die zwei länger nicht waschen können oder erbettelte Essensreste in den Taschen oder fiese Verdauungsprobleme. Woher soll ich das wissen? Meine Nase juckt, mir wird ein bisschen schlecht.

Als ich aussteige freue ich mich über die erlösende Frischluftwatschn. Hach, unsere gute Münchner Luft. Geht uns gut hier, kann man nix sagen. Richtig idyllisch, alles so schön sauber und wohlriechend.

Zuhause knote ich meinen Jutebeutel auf. Oha! Mich erschlägt ein beißender Geruch. Ich wühle hektisch. Meine Finger ertasten etwas nass-glitschiges…und eine Plastikverpackung. Flashback zum Picknick gestern.

„Original deutscher Kartoffelsalat“

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