ALG I – Arbeitswelt Los Geht’s I

Das Studium neigt sich dem Ende. Frohen Mutes stapfe ich mit großen zielsicheren Schritten in Richtung eines neuen Lebensabschnitts. Ich weiß genau, was ich will und wohin es mit mir gehen soll. Bereit die Herausforderungen der Arbeitswelt entschlossen anzunehmen und Karriere zu machen. Verständnislos stehe ich jenen gegenüber, die meinen, sich „treiben lassen“ zu müssen. Irgendwas ergebe sich immer, man müsse nur daran glauben. Humbug. Diese „Schau ma mal, dann seng ma scho“-Mentalität ist mir fremd. Ich habe klare Ziele!

Haha.

Genau.

Fast hätt ichs selbst geglaubt.

Ich habe keinen blassen Schimmer, was mal aus mir wird. Ich versteh aber auch das Konzept nicht so richtig. Ich bin doch schon was. Bedeutet allein die Tatsache, dass ich keinen Beruf habe, daher anscheinend erst noch was werden muss, dass ich jetzt momentan NICHTS bin? Für ein NICHTS muss ich aber grad ganz schön dringend aufs Klo.

Hm, naja. Wie man einigen meiner älteren Texte entnehmen kann, bin ich ja prinzipiell und überhaupt ein sehr toleranter Mensch…Probiere viel aus und bin auch mal offen für Dinge, die ich eigentlich unsinnig, unwesentlich und vor allem unlogisch finde.
Hab ich mir gedacht: „Wenn das so ist, gibst der Arbeitswelt doch mal ne Chance!“
Mir ist dann schnell aufgefallen, dass anscheinend nicht ich diejenige bin, die der Arbeitswelt eine Chance geben muss, sondern andersrum.
Check ich nicht.

Die Arbeitswelt ist also vergleichbar mit der Clubszene. In die kleinen verranzten Läden kann man relativ lässig reinspazieren, ohne groß was herzumachen, aber wenn man in die schicken Locations will, muss man erst am Türsteher vorbei. In der Arbeitswelt heißen die glaub ich „Personaler“. Das fiese ist: Der Türsteher ist im Normalfall kein allzu freundlicher Zeitgenosse, dafür leicht zu erkennen und ebenso leicht zu durchschauen. Der Personaler hingegen tarnt sich gern als freundlicher Zeitgenosse und hat dich schon durchschaut bevor du ihm deine schwitzige Hand hinhalten und die erste Silbe deiner zuvor eingeübten kecken Begrüßungsfloskel aussprechen kannst.

Wenn man ein paar Eckpunkte beachtet, kann man es allerdings schaffen, an diesen Hütern des Untergrunds vorbeizukommen und einzutauchen in deren bis dahin geheimnisvolle Welt.[1]

1. Äußerlichkeiten

Auf den ersten Eindruck legen sowohl Türsteher als auch Personaler großen Wert. Je nach Branche/Genre gibt es bestimmte Dresscodes, über die du dich im Vorhinein informieren solltest. In jedem Fall solltest du duschen, Zähne putzen und dich ggf. rasieren. Türsteher und Personaler achten oft sehr genau auf Schuhe.
Also zieh dir Schuhe an.

2. Alkohol

Egal ob es um das Aufeinandertreffen mit dem Personaler oder den Eintritt in den Club geht. In beiden Fällen scheint der vorherige Alkoholgenuss sinnvoll und hilfreich. Ein Flachmann lässt sich leicht in der Innentasche des Sakkos oder mit Hilfe eines Strumpfbandes unterm Rock verstecken. Deinen Pegel anmerken sollte dir weder der Türsteher noch der Personaler, auch wenn beide damit rechnen und es bis zu einem gewissen Maße tolerieren.

Ja, beide.

3. Vitamin B

Kontakte sind immer hilfreich. Dabei ist es allerdings wichtig, die richtigen Leute im richtigen Moment zu erwähnen.
„Ja, äh…ich kenn da den Mark…Max…Martin…du weißt schon! Der mittelgroße, helldunkle Haare, so zwischen 20 und 40.“

„Ja klar, den hab’ ich erst letzte Woche hier rausgeschmissen…“

4. Souveränität

Du kannst noch so schlecht vorbereitet sein oder noch so scheiße aussehen. Wenn dein Auftreten stimmt, kannst du jeden Türsteher oder Personaler dieser Welt um den Finger wickeln. Arbeite also an deiner Inkompetenzkompensationskompetenz.

Oder leg dir Brüste zu.

Also los, nimm die Herausforderung an und stürze dich voll jugendlichem Elan in das Haifischbecken Arbeitswelt!

Falls du aber doch keine Lust darauf hast und dir denkst ich hol’ mir lieber bissl Kohle vom Staat, kann ich das völlig nachvollziehen. Bedenke nur dies: Wenn die Arbeitswelt ein Haifischbecken voller gefährlicher Geschöpfe ist, die dir an den Kragen wollen…dann sind die Sachbearbeiter am Arbeitsamt vermutlich Piranha-Frankenstein-Predator-Kannibalen-Teletubby-Klone bewaffnet mit Klauen, Reißzähnen, Äxten und Formularen.

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[1] Ob der erfolgreiche Eintritt im Nachhinein als erstrebenswert einzustufen ist, lässt sich meist an den Leuten messen, die einem am Weg zum Türsteher/Personaler entgegenkommen und ist dem jeweiligen persönlichen Geschmack geschuldet.

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